Freitag, 25. August 2023

Gedächtnis aller Heiligen der deutschen Lande

Am 24. August 2023 hörten die Mitglieder der Heiligen Synode der Russisch-Orthodoxen Kirche den Antrag über die Festsetzung eines Tages zum Gedächtnis aller Heiligen, die in den deutschen Landen erstrahlt sind (Protokoll Nr. 64); Antragsteller sind Metropolit Mark von Berlin und Deutschland sowie Erzbischof Tichon von Rusa; unterstützt wurde dieser Antrag von Bischof Pankratij von Troizk, dem Leiter der synodalen Kommission für Heiligsprechungen.

Metropolit Mark und Erzbischof Tichon wandten sich mit diesem Antrag an seine Heiligkeit, den Patriarchen Kyrill von Moskau und ganz Russland, und teilten mit, dass in den ihrer Leitung unterstellten Diözesen im Jahr 2018 die Arbeit an der Zusammenstellung von Materialien über die deutschen Heiligen des ersten Jahrtausends und zur Erstellung ihrer Lebensbeschreibungen aufgenommen worden ist. Im September 2019 wurde durch die Diözesen eine Konferenz namens „Die Heiligen Deutschlands des ersten Jahrtausends“ abgehalten, in deren Folge eine Arbeitsgruppe gebildet wurde, die sich der Aufbereitung solcher Materialien zu widmen hatte. Die Ergebnisse wurden im Februar 2022 der synodalen Kommission für die Heiligsprechungen vorgestellt, welche wiederum nach Studium der Materialien bei den Diözesen darum ersuchte, sie weiter zu vervollständigen, was im Nachgang auch geschah. Die Bischöfe baten darum, „die Verehrung der deutschen Lokalheiligen“ in Entsprechung mit der eingereichten Liste „zu segnen und festzulegen“.


Bischof Pankratij berichtete davon, dass deren „Kampf [Askese, podvig] und martyrisches Ende keinerlei Zweifeln unterliegt“. Hinsichtlich weiterer, von den Diözesen vorgestellten Heiligen ist eine zusätzliche Forschungsarbeit vonnöten. Bischof Pankratij teilte mit, dass die Kommission „keinerlei Einwände gegen die Festsetzung eines Gedächtistages aller Heiligen der deutschen Lande auf Diözesanebene“ habe.


Unter Berücksichtigung der bisher durch die synodale Kommission für die Heiligsprechungen durchgeführten Studien der weiter unten angeführten Heiligenleben sowie der noch aus dem ersten Jahrtausend stammenden Zeugnisse über deren Verehrung als Heilige, legt die Heilige Synode fest, dass folgende Namen in den Kanon der Synaxis der Heiligen, die im deutschen Lande erstrahlt sind, aufzunehmen seien:

- hl. Märtyrerbischof Bonifatius, Erzbischof von Mainz, Erleuchter Deutschlands (754 n. Chr.)

- hl. Märtyrerbischof Aureus, Bischof von Mainz (436 n. Chr.)

- hl. Märtyrer Mauricius und die Seinen: Gereon, Cassius, Florentius und andere Krieger (gg. 300 n. Chr.)

- hl. Märtyrerin Afra von Augsburg (304 n. Chr.)

- hl. Bischof Maximin, Bischof von Trier (347 n. Chr.)

- hl. Bischof Maternus, erster Bischof von Köln (4. Jh.)

- hl. Bischof Korbinian, erster Bischof von Freising (725/730 n. Chr.)

- hl. Bischof Willibrord, Erzbischof von Utrecht (739 n. Chr.)

- hl. Bischof Burkard, Bischof von Würzburg (753 n. Chr.)

- hl. Bischof Ansgar, Erzbischof von Hamburg (865 n. Chr.)

- hl. Lioba von Bischofsheim (728 n. Chr.)

- hl. Walburga von Eichstätt (779 n. Chr.)


Als Tag des Gedächtnisses aller Heiligen, die in den deutschen Landen erstrahlt sind, wurde der 20. September / 3. Oktober festgelegt, sofern dieser Tag auf einen Sonntag fällt; im andern Fall ist dies der dem 20. September / 3. Oktober nächstgelegene Sonntag.





patriarchia.ru

Montag, 24. Juli 2023

Die Welt wird immer verrückter

 Von Patrick Bradley


Bildquelle. https://pixabay.com/de/

 

Die Welt wird immer verrückter. Das ist schlimm. Aber es hat auch eine gute Seite. Diese will ich Dir, geneigtem Leser, aufzeigen. Je verrückter nämlich die Welt wird, desto offensichtlicher wird dies für immer mehr Menschen erkennbar. Und dadurch wird immer mehr Menschen klar, dass diese Welt nur unsere vorübergehende Bleibe ist. Sie ist eine Art Provisorium, eine Art vorläufiger Ersatz für unser wahres Zuhause. Doch wir Menschen sind vergesslich und finden auch noch so sehr Gefallen an dieser Welt, dass wir uns bemühen, uns hier so häuslich wie möglich einzurichten, auch noch mit vielen Annehmlichkeiten und den Genüssen, welche diese Welt hier uns anbietet. Dadurch werden unsere Sinne vernebelt und unsere Geistkraft[1] immer weiter verfinstert, und wir vergessen völlig, dass diese Welt hier eben nicht unser ewiges Zuhause ist. Also ist es nur logisch, dass diese Welt immer verrückter werden muss. Denn wie sollen wir sonst aus unserem Tiefschlaf der Vergnügungen und Annehmlichkeiten geweckt werden? Und in der Tat, bei manchen funktioniert dieser Weckruf, und sie beginnen sich, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, sinnvolle Fragen zu stellen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens. Hilfreich wäre eher die Frage nach dem Zweck dieses irdischen Lebens. Oder noch besser nach dem Ziel des Lebens auf dieser Erde. Denn Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens gibt es haufenweise und haufenweise sich widersprechende Antworten. Hilfreich sind sie nicht. Dafür beruhigen sie das Gewissen eine Weile. Und wenn die Welt nicht verrückt genug ist, dann wird eben mit einer der vielen und beliebigen Antworten weiter geschlummert. Doch manchen ist die Welt so sehr verrückt, dass sie sich mit den verschiedenen Antworten auf die Sinnfrage nicht zufriedengeben. Schließlich wird die Welt ja dadurch nicht besser. Aber immerhin erkennen dann einige, dass es nicht zielführend ist, zu versuchen die Welt zu retten. Auch nicht gemeinsam. Das Wort „zielführend“ kann helfen, sich die Frage nach dem Ziel zu stellen. Was also ist das Ziel des irdischen Lebens? Dies führt auf die Frage, was das Ziel meines irdischen Lebens ist. Nun, wenn die Welt nicht für mich erkennbar verrückt geworden wäre, so hätte ich vielleicht geantwortet: ein angenehmes Leben mit einem Dach über dem Kopf und vielleicht auch noch eine Familie großziehen, wofür ein guter Arbeitgeber hilfreich wäre. Diese Antwort würde allerdings bedeuten, mich zu bemühen, mich in dieser Welt häuslich einzurichten usw. usf., was angesichts dieser verrückten Welt bereits als nicht zielführend erkannt wurde. Also muss tiefer gesucht werden. Die Antwort muss außerhalb von mir gesucht werden. Und sie muss beständig sein. Sie darf nicht umknicken, nur weil die Welt immer verrückter wird. Ja, wenn die Welt immer verrückter wird, ich aber nicht mit ihr verrückt werden will, dann brauche ich Etwas, das außerhalb der Welt ist, das mir hilft, nicht verrückt zu werden. Dieses „Etwas“ darf aus der Sicht der Welt nicht „normal“ sein. Also muss dieses „Etwas“ Selbst „verrückt“ sein. Dieses „Etwas“ ist nicht, genauer: nicht nur, Mensch. Das, genauer: Der, Einzige, Der nicht nur Mensch ist, ist Gottmensch. Also Christus, der Sohn der allheiligen Dreiheit. Und auf Gott treffen die genannten Anforderungen zu: Gott ist Dreiheit, doch ein Gott. Aus der Sicht des menschlichen Verstandes ist dies verrückt. Denn für die Welt ist alles, was sie mit dem Verstand nicht begreift, verrückt. Und dieser Gott tut etwas Verrücktes: Er wird Mensch. Auch noch geboren von einer Jungfrau. Etwas Verrückteres kann Er gar nicht tun. Dann tut Er doch etwas noch Verrückteres: Er lässt sich freiwillig kreuzigen. Dies ist so verrückt, dass viele nicht wahrhaben wollen, dass Er dies freiwillig tut. Und schließlich das Allerverrückteste: Er besiegt den Tod! Kein Mensch hat jemals so etwas geschafft. Den Tod zertreten hat Er, und zwar durch Seinen Tod! Dadurch ermöglicht Er uns, Ihm beliebig nahe zu kommen. Er hat uns den Weg aufgezeigt, den wir nun beschreiten können. Und so wird das Ziel klar. Das Verrückte ist, dass dieses Ziel bereits von Anfang an klar war: Christus ist das Ziel. Durch Seine Fleischwerdung bekam das Ziel Fleisch. Er hat uns das Ziel vorgelebt. Und nun haben wir das Ziel als Auftrag: so zu werden wie Er. Dieses Ideal erreicht zwar kein Mensch, der nicht auch Gott ist, dennoch ist es möglich, dem Ideal Christus im Prinzip beliebig nahe zu kommen. Man sagt dazu auch: Gott werden der Gnade nach (und nicht dem Wesen nach). Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir das Ziel ständig vor Augen haben. Das heißt, Christus ständig vor dem geistigen Auge haben. Also vor dem Auge der Seele, welche die Geistkraft ist. Klingt einfach, nicht wahr? Doch es gibt eine kleine, wenn auch nicht unwesentliche Herausforderung dabei: Das geistige Auge ist blind. Oder so ausgedrückt: meine (und auch deine!) Geistkraft ist krank. Sie tut nicht das, wofür sie vorgesehen ist: die ständige Kommunikation mit dem Ziel aufrecht zu erhalten. Mit einer „kaputten“ Geistkraft klappt es nicht, das Ziel zu erreichen. Damit sie wieder funktionieren kann, braucht sie eine Therapie. Diese Therapie besteht aus der regelmäßigen Einnahme gewisser Medizin sowie gewisser Übungen. Beides zusammen hilft dem Menschen auch, nicht länger ungesunde Verhaltensweisen auszuüben, welche die Geistkraft weiter beschädigen. Beispielhaft dafür ist der Blindgeborene. Jesus nimmt Erde, also geschaffene Materie, formt sie zu Bällen, heiligt sie zusätzlich durch Anspucken und drückt sie in die Augenhöhlen des Blinden. Dadurch ist er noch nicht geheilt. Denn der Empfang geheiligter Materie ist zunächst die Einnahme des Medikaments. Anschließend schickt Jesus ihn zum See Siloah, wo er sich waschen soll. Der Patient befolgt die Anweisung und ertastet sich selbstständig den Weg zum See, wo er sich wäscht. Eine therapeutische Übung also. Der Blindgeborene hätte sich auch weigern können, den Anweisungen des Arztes Folge zu leisten. Jedenfalls wird er erst danach sehend. Wie groß ist nun seine Freude und Dankbarkeit! Gerne will er seinen Arzt sehen und Ihm freudig Ehre und Dank erweisen. Und bei der zweiten Begegnung offenbart ihm Jesus, dass Er es ist, der einzige Arzt, der das Auge der Seele heilen kann. Aber nur, wenn der Patient willens ist, die Therapie durchzuziehen. Und der ehemals Blinde fällt vor Ihm nieder, um Ihn anzubeten. Denn wenn die Seele geheilt ist, will sie nichts anderes tun als Gott anzubeten.

 

Damit die Therapie erfolgreich verläuft, sind drei Dinge nötig:

 

1. Der Mensch muss sich bewusstwerden, dass er geistlich krank ist.

2. Der Mensch muss aktiv das geistliche Krankenhaus aufsuchen und sich in die Therapie begeben.

3. Er muss seine ganze Lebensführung der Heilung dienlich ausrichten.

 

Der erste Punkt ist der grundlegendste. Wer sich einbildet, gesund zu sein, braucht keinen Arzt. In einem solchen Fall ist es nicht zielführend, dem Patienten Medizin und Übungen zu geben. Diese würden ihm u.U. sogar schaden. Denn die Medizin ist derart stark, dass der Apostel vor deren Einnahme warnt, wenn Gesinnung und Lebensweise nicht therapieförderlich sind. Der zweite Punkt besagt, dass es außerhalb des geistlichen Krankenhauses nicht möglich ist, die Heilung zu erlangen. Immer wieder versuchten Menschen dies. Doch der Heilungserfolg blieb jedes Mal aus. Der dritte Punkt ist nicht minder wichtig als die beiden vorangegangenen. Denn die Therapie dient der Einübung von Verhaltensweisen, welche den Heilungsprozess der Geistkraft fördern, und die Medizin gibt Energie, welche die eigentliche Heilung bewirkt und sich auch in erhöhter Motivation und Freude beim Ausüben der therapeutischen Übungen und allgemein bei guten Verhaltensweisen bemerkbar macht. Eine Nichtbeachtung dieses dritten Punktes erhöht hingegen die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls in ungesunde Verhaltensweisen, bis hin zum Wiederaufleben totgeglaubter Leidenschaften und Süchte, signifikant. Da das Ziel die Ähnlichwerdung mit Christus ist, bedeutet dies, dass die Therapie das ganze irdische Leben andauert.

 

Wenn die Seele sich nun aufmacht, den Weg aus dem Irrenhaus Welt zu finden, weiß sie zunächst nicht, wohin sie sich wenden soll. Das einzige, das sie weiß, ist dass sie Christus suchen muss. Irgendwo wird Er gewiss zu finden sein! Diese Hoffnung nährt sie bereits. Wenn der Mensch sich nun klar macht, dass er ja selbst ein Insasse dieser verrückten Welt ist, dann wird dies wohl bedeuten, dass er selbst ebenfalls krank ist. Der erste Schritt beginnt sich zu vollziehen. Der Mensch beginnt immer stärker zu spüren, dass er den Arzt braucht. Der Schmerz wird so stark, dass seine Seele beginnt, nach dem Arzt zu schreien. Wo aber kann er den Weg zum Arzt finden? Die verrückte Welt hat im Laufe der Zeit eine ungeheure Vielzahl von Anstalten errichtet, welche vorgeben, die Seele zum Arzt zu führen, mit den unterschiedlichsten Angeboten von „Therapien“. Zudem schwirren derart viele Scharlatane herum, welche außerhalb jeder Art von Anstalt Seelen „verarzten“. Dies ist logisch, da die Welt verrückt ist. Denn etwas anderes als scheinbare „Heilungen“ für die Seele kann sie gar nicht hervorbringen. Aus eigener Erfahrung weiß die Seele, von der wir gerade sprechen, dass so ziemlich alle, genauer: alle bis auf eine, dieser Anstalten den Zustand der Seele nur weiter verschlechtern können. Von den Scharlatanen ganz zu schweigen. Wie also die eine richtige Anstalt finden? Woran erkenne ich das geistliche Krankenhaus, welches tatsächlich heilt? Hierfür gitb es erstaunlich einfache Kriterien. Bereits folgendes Kriterium genügt:

 

            

 

Wer ist der Gründer der jeweiligen Einrichtung?

 

Erstaunlicherweise messen nur sehr wenige dieser Frage eine besondere Bedeutung bei. Doch, wenn der Begründer ein bloßer Mensch ist, dann kommt die Einrichtung als geistliches Krankenhaus nicht in Frage. Denn ein Mensch kann ohne den Arzt nicht heilen, auch wenn er behauptet, er habe den Arzt als Angestellten oder als Schirmherr. Es gibt wohl auch Einrichtungen, bei denen nicht bekannt ist, ob deren Begründer ein bloßer Mensch ist. Doch dies muss seltsam erscheinen. Denn wenn der Arzt sich die Mühe macht, ein geistliches Krankenhaus zu gründen, dann wird Er sicher auch verkünden, dass Er der Begründer dessen ist.

 

Du könntest einwenden, weshalb denn nicht ein bloßer Mensch ein funktionierendes geistliches Krankenhaus errichten kann, solange der Arzt bei der Heilung mitwirkt. Die Antwort darauf ist wiederum einfach: Nur der Arzt weiß, wie die Heilung an sich im Einzelnen vor sich geht. Nur Er kennt die Ursachen, Symptome und Anwendungsformen der Therapien am besten, um jeden einzelnen Mensch heilen zu können. Weshalb sollte Er dann nicht Selbst das geistliche Krankenhaus gründen? Nehmen wir einmal an, der Gründer des echten Krankenhauses wäre bloß Mensch. Dann macht es keinen Sinn, wenn der Gründer nicht selbst geheilt ist. Wie soll er dann wissen, wie es ist, geheilt zu sein? Geschweige denn, andere zu heilen? Eine solche Vorgehensweise nennen wir anmaßend. Andererseits, wenn er geheilt wurde, dann wird er sich nicht anmaßen, selbst Gründer dieses göttlichen Krankenhauses zu sein. Denn er hat ja nicht sich selbst geheilt, sondern wurde vom Arzt geheilt. Ein Begründer einer „Anstalt“, welche vorgibt, Seelen zu heilen, muss daher, wenn er nicht Gott Selbst ist, anmaßend sein. Denn er ist davon überzeugt, es besser zu können als Gott. Und anmaßende „Ärzte“, welche vorgeblich Anmaßung heilen können, sollen lieber erst einmal ihre Medizin an sich selbst erfolgreich erproben.

 

Interessant ist aber die Frage, woran man denn erkennen kann, ob der Begründer der jeweiligen Einrichtung bloß ein Mensch ist, oder möglicherweise doch Gott Selbst. Nun, jede dieser Einrichtungen hat gewisse Lehren über die Natur und Ursachen geistlicher Krankheiten, sowie ein wenig darüber, was für bekannte Eigenschaften Gott hat oder nicht hat. Nicht alles über Gott ist uns bekannt, außer dem, was wesentlich für den Heilungsprozess ist. Der Hauptgrund dafür ist, dass gemäß Offenbarung Gottes falscher Glaube nicht heilt. So kann man bei der jeweiligen Einrichtung nachforschen, seit wann es diese Lehren dort gibt. Findet man eine Lehre, die nicht von den ersten Schülern des Arztes als richtig angesehen wurde (und an nachfolgende Generationen unverfälscht weitergegeben wurde), dann kann man mit Sicherheit sagen, dass nicht Gott jene Einrichtung gegründet hat, da es ja eine Lehre gibt, die zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt wurde. Eine derartige Lehre ist nichts anderes als falscher Glaube.

 

Leichter ist es allerdings, wenn der Name des Begründers der Einrichtung bekannt ist. Vor allem dann, wenn er lange nach der Himmelfahrt Christi geboren wurde. Allerdings verschleiern einige der falschen Einrichtungen die Tatsache, dass sie von ihrem ungöttlichen Begründer gegründet wurden. Bekannt ist der Fall einer falschen Einrichtung, welche erstens behauptet, von Gott Selbst gegründet worden zu sein und zweitens Neuerungen als unverfälscht überliefert verkauft. Erkennbar ist deren Falschheit daran, dass sie einen obersten Anführer hat, der jederzeit Lehren verändern kann und gleichzeitig behaupten darf, diese Neuerungen seien unverfälschte Tradition. Es wird also die Bedeutung des Wortes „unverfälschte Tradition“ einfach den Erfordernissen des jeweiligen Zeitalters angepasst, wie man in Marketingabteilungen sicher schön formulieren würde. Ebenso bekannt ist eine Strömung, welche vorgibt, dass der wichtigste schriftlich überlieferte Teil der unverfälschten Tradition gar nicht Tradition sei, dafür aber allein maßgeblich für die Herausbildung von Lehren und Therapien. Dieser Ansatz geht auf einen geistlichen Anführer aus dem 16. Jahrhundert zurück und führte zu einer Unmenge verschiedenartiger und sich teils diametral widersprechenden Glaubensrichtungen, die sich alle auf die heiligen Schriften beziehen. Mit unserem einfachen Kriterium für Wahrheit können wir also gleich eine Vielzahl von falschen Einrichtungen ausschließen.

 

Was am Ende dieses Ausschlussprinzips übrig bleibt, ist das geistliche Krankenhaus, welches als einziges Heilungsmethoden seit ihrer Gründung sowohl unverfälscht als auch erfolgreich trotz aller Anfeindungen ausübt. Das Original bleibt also unerreichbar für Imitatoren. Die Geheilten werden Heilige genannt. Eine große Zahl Heiliger wird von Gott offenbart, damit ein jeder in seiner eigenen Zeit Vorbilder hat, denen er nacheifern kann, um selbst die Heilung zu erlangen. Nicht alle Heiligen werden uns offenbart. Aber die Heiligen betonen, dass die göttliche Medizin nur im Rahmen der Therapie im geistlichen Krankenhaus wirkt, und dass die falschen Einrichtungen im Grunde gar keine heilende Medizin haben. Das Fehlen einer wirkenden Medizin ist klar an den fehlenden Früchten des Heiligen Geistes zu erkennen. Im Gegensatz dazu liefern die Heiligen aller Zeiten und Lande eine Unmenge von Beispielen des Erwerbs und der Anwendung dieser Früchte zur Hilfe für die Mitmenschen, sowie zum Zeugnis für die Wahrheit der Therapie im funktionierenden geistlichen Krankenhaus. 

 

Nehmen wir einmal an, du hast erkannt, dass der Begründer der „Anstalt“, welche du bisher aufsuchst, nicht Gott Selbst ist, sondern ein bloßer Mensch. Dann hast Du zwei alternative Möglichkeiten: du suchst das wahre Krankenhaus für erkrankte Seelen, oder du entscheidest dich dafür, in deiner „Anstalt“ zu bleiben, weil sie dir gefällt. Im zweiten Fall bist du im Einklang mit der Welt, welche sagt: „Wahrheit ist genau das, was dir gefällt.“ In dieser Weise errichten wir in unserem Herzen unbemerkt „Wahrheits“-Götzen, die uns so sehr gefallen, dass wir sie nicht loswerden wollen. Dies ist eine Form von Götzenanbetung, selbst wenn kein anderer Mensch irgendwelche Statuen sieht. Denn wir halten an dem fest, was wir lieben. Und wenn wir so sehr daran festhalten, dass selbst die uns angebotene Wahrheit uns nicht davon losreißen kann, dann ist dies eine Form von Anbeten. Und wehe, es wagt jemand, diese Götzen umzuhauen! Denn das tut ja weh! Und wehtun wird von der Welt als das Gegenteil von Liebe, nämlich als Hass, bezeichnet. Dabei ist das Gegenteil von Liebe nicht Hass, sondern Angst: die Angst vor der eigenen Nacktheit. Jener Götze sagt dir: „Deine Wahrheit errettet dich automatisch.“ Deshalb identifizieren wir uns selbst als errettet, und die anderen identifizieren wir als die Objekte unserer Mission, damit auch sie durch unsere „Wahrheit“ errettet werden. Und einige, die diese Zeilen lesen, denken vielleicht bei sich: „Stimmt. So ist dies beim Zeitgeist. Aber ich bin in der Wahrheit, und deshalb bin ich bereits errettet.“ Wer so denkt, erkennt nicht, dass er ebenfalls an die automatische Errettung glaubt. Andere mögen es zwar nötig haben, unter Anstrengung, alles was Lüge in ihnen ist, aus deren Innerem zu vertreiben, und darum kämpfen, dass nichts davon wieder in sie eindringt, doch „mir wurde die automatische Errettung zuteil. Denn ich glaube ja an die Wahrheit. Wozu muss ich dann noch in mein Inneres schauen, wenn sowieso der Heilige Geist in mir ist?“ Siehst du nun den Stachel der Angst vor der eigenen Nacktheit, der in solch einem Denken verborgen ist? Diese Angst verhindert den Beginn unserer eigentlichen Hauptbeschäftigung: der Therapie für unserer inneres Organ, d.h. der Heilung unserer erkrankten Geistkraft. Dann viel Spaß mit Dir selbst als Zentrum des Universums! Den Galileo, der dir mit einem Fernrohr beweisen will, dass es außerhalb von dir ein wahres Zentrum gibt, wirst du wohl nicht auf dem Scheiterhaufen verbrennen, doch wirst du dies wohl mit seinem nüchternen Hinweis: „Du, Kaiser, bist nackt.“ tun. Am Ende aber vergeblich. Denn die Wahrheit setzt sich durch. Ob es dir gefällt oder nicht.

 

Nehmen wir nun an, du machst dich auf die Suche nach dem wahren Krankenhaus. Es wäre alles ganz einfach, wenn die Welt die Sache nicht unnötig verkompliziert hätte. Denn es herrscht eine derartige Konfusion darüber, wie eine funktionierende Therapie abläuft, und welche Verhaltensweisen ungeeignet oder gar schädlich sind. Und dies trotz aller großartigen Erfolge und Durchbrüche in allerlei Wissenschaften einschließlich der Medizin. Als Beispiel sei genannt die Art und Weise, wie Patienten im gemeinschaftlichen Therapieraum sitzen. Sitzen ist allerdings keine geeignete Therapiehaltung, da sie höchst passiv ist, was die aktive Teilnahme der Geistkraft am Gebet enorm erschwert. Und die Krankheit der Bequemlichkeit wird durch Sitzen ohnehin nicht geheilt. Deshalb gibt es normalerweise in den therapeutischen Gemeinschaftsräumen nur wenige Sitzgelegenheiten. Diese sind für gebrechliche Menschen, um es ihnen leichter zu machen, sich auf das Gebet zu konzentrieren und nicht auf ihr Gebrechen.

 

Die hauptsächliche Therapieform ist das Gebet. Daher schreibt auch ein Apostel „Betet ohne Unterlass.“ Doch die Praxis des Gebets ohne Unterlass ging im Laufe der Zeit in den neueren (falschen!) Einrichtungen so sehr verloren, dass diese Praxis dort unterlassen wird, obwohl dies ausdrücklich in der Heiligen Schrift steht. Diese Therapieform ist derart wichtig, dass der Arzt Selbst Anweisung gab, wie man betet: nämlich andächtig, also mit Aufmerksamkeit, nüchtern und wachsam. Der bequeme Mensch fasst dies jedoch so auf, dass man möglichst wenig beten soll, um nicht Gefahr zu laufen, nicht andächtig zu beten. Wie wäre es dann mit überhaupt nicht beten? Dann betet man niemals nicht andächtig! Erstaunlicherweise ist es sehr mühsam, solchen Menschen zu erklären, dass dies eine Aufforderung ist, sich Mühe zu geben, beim möglichst ständigen Beten möglichst andächtig zu bleiben. Um es der Geistkraft zu erleichtern, beim Beten andächtig zu bleiben, werden in den Gottesdiensten sehr viele Gebete gesungen. Im Übrigen besteht ein Gottesdienst nahezu vollständig aus Gebet. Therapie ist eben ohne Anstrengung aller Beteiligten nicht zielführend. Ein Bekannter wünschte sich nach dem Besuch einer Therapieeinheit mehr Predigt. Sicher, eine gesprochene Predigt regt das Nachdenken über den eigenen Zustand und den eigenen Therapiefortschritt an. Dennoch ist eine gesprochene Predigt für sich allein noch keine funktionierende Therapie. Außerdem erwähnt Christus auch andere Formen der Predigt als das gesprochene Wort: nämlich, dass auch Steine predigen. Vor allem dann, wenn sie mit Bildern als Predigt bemalt sind. Ikonen sind daher gemalte Verkündigung. Genauer übersetzt ist ein Ikonograph übrigens ein Bilderschreiber… Aber auch die Gebete selbst sind voller Verkündigung. Der Lobpreis Gottes wird bewusst nicht von der Verkündigung getrennt, denn die Geistkraft braucht die ständige mit allen Sinnen fühlbare Erinnerung daran, dass sie aus ihrer Gefangenschaft der Zerstreuung in die Freiheit der freiwilligen Hinwendung zu Gott herauskommen soll. „Mit allen Sinnen“ ist durchaus so gemeint, dass nicht nur Auge und Ohr, sondern auch die Nase und der Tastsinn geheiligt werden sollen. So gehört auch Weihrauch dazu, wie die Einnahme der Medizin im Höhepunkt der Liturgie, wenn nicht therapeutische Gründe dagegensprechen. Und „geheiligt“ heißt ebenso geheilt, wie auch allein Gott gewidmet. Unser ganzer Leib gehört Gott. Daher bemühen wir uns, Ihm diesen ständig zur Verfügung zu stellen, anstatt uns in sinnlichen Vergnügungen und Genüssen zu verlieren. Die Betonung liegt hier auf „sich verlieren“, und nicht, dass etwa Mahlzeiten nicht geschmackvoll sein dürfen. Dass auch einfach gehaltene Mahlzeiten durchaus paradiesisch gut schmecken können, wird uns oft erst dann bewusst, wenn wir ein paar Tage nichts gegessen haben. So verhindert das „sich verlieren“ in Genüssen, dass wir Gott auch für einfache Mahlzeiten dankbar sein können. Im Gegenteil stellt sich durch den übermäßigen Genuss nach einiger Zeit eine Art Langeweile ein, die nach immer Ausgefallenerem verlangt. Von dort ist es dann nicht mehr allzu weit bis zu pervertierten Exzessen, von denen ich lieber nicht schreiben möchte.

 

Falsche Einrichtungen ersetzen die meisten Gottesdienstteile durch Musik, welche immer mehr zur Unterhaltung wird. In der Tat wurde ich von einer religiösen Person einmal gefragt, ob der orthodoxe Gesang auch so eine Art von Unterhaltung sei, wie in ihrer Einrichtung. Da wurde mir bewusst, dass das Ziel des orthodoxen Gesanges nicht bekannt zu sein scheint. Im Übrigen bedeutet das Tun von etwas, das nicht zielführend ist, auf griechisch „amartia“, auf deutsch nennt man dies „Sünde“. Einmal kam ich zeitig vor Beginn der Göttlichen Liturgie zum Geburtstagsfest des Johannes des Vorläufers und Täufers Christi in den Kirchenraum. Außer mir war dort nur der Priester anwesend, der sich gerade vorbereitete. Also nahm ich die Notenblätter mit dem Troparion zu Ehren dieses Festtages in die Hand. Da kam eine Frau hinzu, und ich fragte sie, ob sie mit mir das Troparion einstudieren wolle. Sie erklärte, dass sie schon sehr lange keine Noten in der Hand gehabt hatte. Doch ich ermutigte sie, gab ihr ein Blatt und bat sie, mitzusingen. Nach dem dritten Mal klappte es bereits sehr gut. Inzwischen waren weitere Menschen hinzugekommen und sangen mit uns. Als die Göttliche Liturgie vorüber war, bekannte mir die Frau freudig, dass sie heute zum ersten Mal in einer Göttlichen Liturgie aktiv mitgesungen habe und sie dies als wohltuende Therapie empfunden hatte. Die Göttliche Liturgie ist, wie alle Gottesdienste, eine Gruppentherapie. Der Höhepunkt der Göttlichen Liturgie ist der Empfang der Medizin der Unsterblichkeit. Denn diese Medizin ist es, welche im Rahmen eines sakramentalen Lebens den Menschen in Gemeinschaft mit anderen und mit Christus den geistlichen Tod zertreten lässt. Das Wort „Liturgie“ heißt im Übrigen „Werk des Volkes“. Dies bedeutet, dass das Volk nicht bloß Zuschauer ist, der unterhalten werden soll, sondern dass alle gemeinschaftlich an der Therapie mitwirken. Niemand prüft, ob alle Mitsingen oder Mitbeten. Dennoch sind in der Regel alle bemüht, so aufmerksam es ihnen möglich ist, die Göttliche Liturgie mitzuvollziehen. Bereits in der frühen Kirche wurde den Beteiligten klar, dass dabei Musikinstrumente nicht hilfreich dafür sind, dass sich die Geistkraft dem Gebet widmen kann und am ständigen Ausschweifen in ganz andere Richtungen gehindert werden kann. Auf diese Weise lernt sie allmählich das ständige Gedenken Gottes, wie es bereits im Alten Testament von ihr eingefordert wird. Die tägliche Gebetsregel, so aufmerksam wie möglich befolgt, und das Jesusgebet zwischen den Gebetszeiten möglichst ständig aufrechterhalten, fördert diesen Lernprozess ungemein. Ebenso interessant empfand ich die Frage von jemand, der erfuhr, dass meine Familie dafür zuständig ist, sonntags den Part des Chores anzuleiten, der in der Göttlichen Liturgie die Teile singt, die nicht vom Klerus übernommen werden. Die Frage, die er stellte, war, „So sieht also Eure Selbstverwirklichung aus?“ Das Interessante an dieser Frage ist, dass der Frager anscheinend davon ausgeht, das Ziel dieses irdischen Lebens sei, sich selbst zu „verwirklichen“. Ob ihm meine Antwort, welche darin bestand, dies mit dem Hinweis zu leugnen, dass es sich bei den Gesängen um Gebete handelt, bei der Suche nach seiner Selbstverwirklichung hilfreich war, weiß ich nicht. Nach inzwischen einiger verstrichenen Zeit, möchte ich anmerken, dass die Idee der Selbstverwirklichung heutzutage zwar eine absurde Idee ist, jedoch nur deshalb, da sie davon ausgeht, dies sei ohne Christus möglich. Denn der heilige Apostel Paulus beschreibt die wahre Selbstverwirklichung wie folgt: 

 

und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, und zwar im Glauben an den des Sohnes Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Gal 2,20)

 

Dies ist wiederum eine der verrückten Seiten der Realität: man wird ein wahrer Mensch, d.h. erreicht die Selbstverwirklichung, indem man sein eigenes Ego kreuzigt und sich mit Christus kleidet, d.h. durch den Prozess der Ähnlichwerdung mit Gott, und dies nach dem Beispiel unzähliger uns bereits erfolgreich vorangegangener Menschen. Und nicht anders.

 

Ehre dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste,

jetzt und immerdar und in die Ewigkeit der Ewigkeit. Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 



[1]       Geistkraft, gr. Nous, auch „Auge der Seele“ genannt, ist der Teil der Seele, der für die Aufrechterhaltung des ständigen Gedenkens Gottes zuständig ist. Seit dem Fall im Paradies ist dieses innere Organ erkrankt und fällt ständig in die Zerstreuung.



Dienstag, 7. März 2023

 Ankündigung:



wir befinden uns in der vorletzten Phase der Fertigstellung von CRISIS 4. Zum orthodoxen Osterfest (16. April), an dem unser Herr Jesus Christus – das Licht der Welt – auferstanden ist von den Toten, wird CRISIS Ausgabe 4 erscheinen.


Leser der Ausgabe 3 wussten bereits, welches Thema den Schwerpunkt der Ausgabe 4 bildet: 


Ex Oriente Lux




 

Der lateinische Ausspruch Ex oriente lux (Aus dem Osten [kommt] das Licht) wurde bereits früh auf das Christentum bezogen; „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12) – und die Sonne, das lichte Gestirn, geht bekanntlich im Osten auf. 

In dieser Ausgabe gehen wir auf verschiedenen Ebenen der Frage nach, ob wir Christen in Westeuropa nicht dringend wieder des Lichts aus dem Osten bedürfen; wir fragen danach, ob der Westen, als Kultur geistlich verdunkelt, dringend wieder einer Erneuerung des Glaubens aus dem orthodoxen Osten bedarf. Und wir stellen diese Frage im Angesicht der gegenwärtigen „Crisis“. Oswald Spengler, der in seinem zweibändigen Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes sieben historische Hochkulturen mit dem Schicksal Europas verglich, kam dabei zu dem Ergebnis, dass das Ende des Westens gewissermaßen zwangsläufig sei. Vom Osten her betrachtet, inspirierte Wladimir Solowjows Gedicht „Ex oriente lux“ (1890) weite Teile der russischen Intelligenzia, unter anderem die Bewegung der frühen Eurasier um Fürst Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoi, in dem sich für den Osten die Frage danach stellte, ob Russland zu Europa oder zu Asien gehöre, oder gar wie China eine eigene Zivilisation darstelle.


Für mehr Informationen und zur Vorbestellung klicken Sie bitte hier!

Die Redaktion.

Akathistos an den heiligen Spyridon

Akathistos an den heiligen Spyridon, den Wundertäter



Ein wunderschönes, für das Gebet geeignetes Heft mit dem gesamten Akathistos des Heiligen Spyridon, erscheint in der Buchreihe des Vereins Deutschsprachige Orthodoxie in Mitteleuropa (DOM) Gesellschaft zu Ehren des Heiligen Erzengels Michael e.V. Illustriert wurde die Broschüre mit ikonographischen Bildern der Künstlerin Daria Naumez. 

Am Ende des Akathistos findet der Leser noch eine kleine Biographie des Heiligen.



32 Seiten︱Broschur︱21 x 28 cm.︱Bilder von Daria Naumez︱9 Euro︱Zur Bestellung!

Christiane Maria Langenfass-Chassourou: Heiliger Johannes der Russe

 

Christiane Maria Langenfass-Chassourou: 

– Ein Kriegsgefangener in Kleinasien, dem Schmelztiegel der Christenverfolgung


Die orthodoxen Christen von Kleinasien, zu denen auch die sogenannten Pontos-Griechen gehören, mussten unter der Herrschaft der Türken über einen Zeitraum von 400 Jahren großes Leid ertragen.

Auf dem Höhepunkt der Barbarei dieser Epoche wurde der Heilige Johannes, der Russe, noch jung, von den Türken gefangengenommen. Er gehört zu jenen Heiligen, denen zu Lebzeiten sehr viel Unrecht angetan wurde: Als Gefangener und Sklave der muslimischen Türken wurde er als „Ungläubiger“ beschimpft, diente harten Herren und teilte somit das Schicksal der versklavten orthodoxen Christen in Kleinasien.

Ohne zu klagen und mit Geduld ertrug er das Unrecht aus Liebe zu unserem Herrn Jesus Christus. Deshalb rechtfertigte ihn auch der wahre Gott, indem Er ihn uns nach seinem Entschlafen schenkte, zum Beweis seiner Heiligkeit; seine Wunder beweisen, dass er tatsächlich den Herrn liebte, wie der Herr ihn zuerst geliebt hatte.

Erst kurz vor dem Lebensende des Heiligen Johannes wurde seinem türkischen Herrn bewusst, dass dieser ein Mensch Gottes war. Im Koran wird den Muslimen ein Spielraum gelassen, orthodoxe Christen als Menschen Gottes anzusehen, aber die Tendenz des Islam zu Lebzeiten Mohammeds ging dahin, alle Christen als von Grund auf unglaubwürdig und hinterlistig zu sehen.

Dieses Werk erzählt erstmals in deutscher Sprache die Lebensgeschichte, die Kämpfe und Wunder des Heiligen und ist gleichzeitig ein Bericht über die leidvolle Tötung und Vertreibung der Pontos-Griechen.

Mit einem Vorwort von Nikolaos Joh. Stavrianidis, Berufungsrichter des Obergerichts, Mitglied des sehr wichtigen Volkskunde-Geschichts-Verband „Komitee Pontischer Studien“.

124 Seiten︱Broschur︱Zum Inhaltsverzeichnis︱12,50 Euro︱Zur Bestellung!

Freitag, 10. Februar 2023

 Neuerscheinung:

Heiliger Bischof Ignatij (Brjantschaninow)︱Briefe︱An Laien, Verwandte und Freunde

Ausgewählte Schriften︱Band 4

292 Seiten︱Klappenboschur︱Inhaltsverzeichnis︱Zur Bestellung!



Der vorliegende vierte Band unserer Reihe Ausgewählte Schriften des heiligen Ignatij (Brjantschaninow) enthält eine Auswahl von zweihundert Briefen, die der Heilige an Weltliche, an seine Familie und an Freunde geschrieben hat. Während im 1. Teil, dem Schriftwechsel mit ratsuchenden Christen, die geistliche Anleitung im Vordergrund steht, enthalten die Briefe an die Familie und den Freund Michail Tschichatschow im 2. Teil neben asketischen Ratschlägen auch viel Persönliches. Sie gewähren einen Einblick in die Lebensumstände des Heiligen, die einerseits durch seine chronisch schwache Gesundheit geprägt sind, aber auch durch Anfeindungen und Vorbehalte seiner Umgebung. Schließlich stellt er nach seiner Herkunft und seinem Werdegang eine Ausnahme dar: Anstelle einer Geistlichen Akademie absolviert er eine Offiziersausbildung, anschließend zieht er der möglichen Karriere die weltabgewandte asketische Praxis vor. Der Heilige tritt uns in seinen Briefen an die Eltern und Geschwister als treuer Sohn und warmherziger, fürsorgender Bruder entgegen, zugleich interessiert an den gesellschaftlichen Umbrüchen seiner Zeit und stets im festen Vertrauen darauf, dass nichts im Leben ohne Gottes Willen und Fügung geschieht. Insbesondere der Briefwechsel mit seinem Bruder Pjotr enthält darüber hinaus viele wertvolle Aussagen des heiligen Bischofs zu seinen eigenen asketischen Schriften. Deren Veröffentlichung hatten sich die beiden Brüder in den letzten Lebensjahren des Bischofs gemeinsam gewidmet. In der vorliegenden Reihe werden sie nun auch für den deutschsprachigen Leser zugänglich.



 Book review: Wolfgang Wünsch, Hans Küng in der Theologie der Religionen: 
Von der offenbarten dogmatischen Wahrheit zum interreligiösen Synkretismus, 

Wachtendonk: Edition Hagia Sophia, 2020 (394 pp)
 

Prof. Dr. Piotr Adamek von der Fu-Jen-Universität Taiwan

 


A doctoral thesis about the theology of Hans Küng (1928-2021) is bound to be a controversial and risky project. Küng, world-renowned Catholic theologian, died recently on April 6, 2021, at the age of 93. He is admired by many for, inter alia, his ecumenical openness, interreligious dialogue and global ethic, as well as heavily criticized by others for his controversial views and interreligious syncretism. Wolfgang Wünsch — a Protestant pastor from Romania — has dared to write such a thesis. His 343 page work is a profound and comprehensive analysis of Hans Küng’s theological oeuvre, and, in particular, a thorough examination of his conception of the Church, perception of world religions and promotion of interreligious dialogue.
The work starts with a biography and an outline of Küng’s theological development. With the help of his autobiographical My Struggle for Freedom: Memoirs (2002), the author presents extensively and in a systematic way the characteristics of the Swiss theologian. Observing the development of national socialism in neighboring countries in his childhood and adolescence, Hans Küng faced a decisive question: “adapt and participate or withstand and resist” (p. 31). According to the author, he transplants the expected answer (resistance) from the political to the church context. Küng’s transfer to the Liberal High School in Lucerne is read by him as a “farewell to ghetto Catholicism” (p. 37). His vocation to the priesthood is ascribed to the words of a friend and the example of his parish priest, filled with “the spirit of Jesus”. In his “self-chosen” philosophical and theological studies in Rome at the Pontifical Gregorian University, Hans Küng learned not only about “Roman thomism”, but also, in part, about “modern thinkers”. Küng continued his theological formation in Paris and, in 1957, completed his doctoral thesis: Justification: The doctrine of Karl Barth and a Catholic reflection. Wünsch emphasizes the “indisputable merit” of Hans Küng’s dissertation in the “convergence” of the doctrine of Karl Barth with Catholic teaching. He objects, however, to its overextended conclusions about the similarity of Protestant and Catholic teaching. He quotes an appeal of Hans Küng, included in his dissertation, for a return to the original ideals of the Gospel, seemingly forgotten in the Middle Ages, “even if he had to move against Church tradition and its authority” (p. 62). Kiing’s doctoral thesis set the course which influenced his later theological thought. Wünsch says that Hans Küng’s thought evolved from “loyal opposition” to “critical Catholicism”.
According to the author, this course continued during Küng’s pastoral years in Lucerne, his habilitation studies at the University of Münster and, since 1960, at the University of Tübingen, where he was appointed professor. Encouraged by the approaching Ecumenical Council for the whole church, announced in 1959, Hans Küng developed the idea of the necessity of the renewal of the Church, including “the realization of justified Protestant concerns” (p. 72). However—as the author notes—for some unexplained reason he ignored the concerns of the Orthodox Church almost entirely. Together with other professors of theology, Küng served as an advisor at the Second Vatican Council (1962-1965). According to the author, he demanded, inter alia, use of vernacular languages in the liturgy, and held a symbolic view of the Eucharist, similar to that of Ulrich Zwingli. The last, relatively short, subsection of the first biographical chapter presents the further development of Küng’s theological thought, leading up to 1979 and the revocation of his license as a Catholic theologian and its consequences. Cardinal Lehman, as quoted by Wolfgang Wünsch, evaluated the Küng case and the revocation of his license as the “failure of an attempt in the dialogue between theology and the magisterium of the Church” (p. 99). Hans Küng remained, however, a Catholic priest and a professor at the Institute for Ecumenical Research. He started a project and foundation for a Global Ethic, promoting intercultural and interreligious research, education and encounter. This “interreligious dialogue”, however, in the author’s judgment, was bound to become just a “discourse of secular reason with the help of various religions” (p. 109), and be deprived of any missionary ideal. The outcome and the preliminary conclusion presented by author after this biographical part of the work, is that, after the success of his doctoral thesis on justification, Küng challenged current ecclesiology, proclaming an “original Christianity” “if needed without or against the Church tradition and authority.” In the opinion of the author, the theologian argued by this means not only against “Roman Catholic special teaching” on the infallibility of the Pope, but also “shortened and falsified” in some way teaching about the “una sancta, apostolica et catholica ecclesia” (p. 116).
The second part of Wünsch’s book intends to understand deeper Küng’s concept of Christianity and the Church. The author points out that the problem of salvation for non-Christians was present very early in the thought of Hans Küng. Küng postulated a paradigm shift to a theology of world religions and proposed four possible variants for the concept of truth in religion: no religion has any truth; only one religion has the truth; all religions are true to the same extent; and one religion has the truth and other religions participate in this truth. Küng favored the last variant. The sources for the knowledge of God are discussed in the section about the Bible, Tradition and the Christian life. With the help of quotations from numerous works by Küng, Wünsch proves that the tradition of the Church appears there as being in opposition to the Bible, which should already contain the fullness of revelation. Trinitarian doctrine is seen by Küng as an element in the Hellenisation of Christianity, which “blocked dialogue with Jews and Muslims from the start” (p. 133). His ecclesiology looks at the Church as “a purely human matter”, merely with event-based actions of the Holy Spirit (p. 166). Discussing Küng’s soteriology, Wünsch emphasizes that Christianity is reduced to being only a part of the “true religion” and possesses only “subjective truth”. Every religion is, in fact, a certain intermingling of belief, superstition and unbelief, and everlasting salvation can be found in each religion. Küng’s cosmology and eschatology are very closely related to each other, even if he “did not want to present a systematic- reflexive eschatology” (p. 174). Küng’s ethic is based on “a kind of golden rule” as an unconditional norm followed by “all major religions.” It is criticized, however, by some theologians as vague and ignorant of the core of religion (p. 185). Wünsch judges that “God” is used by Küng as a vehicle for justification of the ethical requirement, which is the minimal consensus of world religions as an orientation for people.
In the last part of the book the author analyzes the conception of six non-Christian religions in the works of Hans Küng: Ethnic religions, Hinduism, Buddhism, Chinese Religion, Judaism and Islam. Basically, the Swiss theologian distinguished three significant religious systems: prophetic religions of Semitic origin (Judaism, Christianity, Islam); mystical religions of Indian origin (Buddhism, Hinduism); and wisdom-based religions of Chinese origin (Confucianism, Daoism). He investigated the indigenous religions and the idea of a primeval monotheism proposed by Wilhelm Schmidt SVD, and concluded that the ethical standards, values and norms of ethnic religions have their origin in socio-dynamic processes and there is “no real need” to look for a primeval religion or revelation. As explained by the author, Hinduism is for Hans Küng a “collective of religions”. He compared Christ and Krishna, discovering in Jesus “not more than a man, through whom the other people are enabled to meet God” (p. 235) and he encouraged Christians to adopt numerous aspects of Hindu religiosity. Wünsch then presents Küng’s view of Buddhism, which is seen by the Swiss theologian as a challenge for Christianity, because of the “indisputable similarity of the two concepts.” According to the author, Küng’s Buddha is “an exact mirror image” of his Christology: both Gautama Buddha and Jesus were itinerant preachers, who used vernacular languages and short stories “without being committed to formulas, dogmas and mysteries”. They were also in opposition to the religious traditions of their time. On a closer look, however, the similarities exposed are superficial. The dialogue of Küng with Chinese religions, treated quite extensively in the book, is presented especially (but not exclusively) on the basis of his famous opus Chinese Religions, co-authored in dialogue with the sinologist Julia Ching. Küng compared the Chinese concept of ‘Heaven’ with the Kingdom of God preached by Jesus. He pointed out that Christianity was de facto never an ancestral religion like the Chinese one, which understood ancestors as quasideities. He emphasized the evolution of sacrifice in China into a kind of ethics. He described Chinese folk religion as an answer to “the basic human needs for protection, consolation and encouragement, for explanation and understanding of human existence and the world, as a remedy for the people” (p. 271). In contrast to popular religion, Confucianism is for Hans Küng a “humanistic, moral religion” that is comparable to the ethos of Christianity. Confucianism is—according to Hans Küng—a human wisdom, open, however, to transcendence. As an answer to the Chinese distinction between philosophical and religious Daoism, Küng stressed the difference between philosophy and religion. His analysis of Judaism and Islam is unexpectedly brief, even superficial, in the book, even though the author admits that Küng developed a relatively deep understanding of Judaism and was involved in real dialogue with it. After analyzing Küng’s work on Judaism, Wünsch agrees with his statements about the history of the Jewish nation and its origin embedded in the universal history of mankind. He analyzes his perception of the Jewish concepts of “Covenant,” “People of God,” and “Promised Land” and acknowledges that Hans Küng “had essential achievements” in this field “just as in Christology from below”. He criticizes, however, the omission of reflection on the idea of incarnation which might have posed an obstacle to Christian-Jewish dialogue. As for Islam, the author underlines that the Quran is recognized by Hans Küng as “the way, and the truth, and the life,” (p. 302), and shares with other prophetic religions a common basic ethos, which the author links to Küng’s own project for a Global Ethic. In his final reflections on Küng’s immense oeuvre, Wünsch recognizes “a syncretic conception of Christianity and the Church in the concert of world religions” (p. 309). Küng hoped to solve conflicts between religions with the help of a minimal consensus (tolerance, nonviolence, golden rule etc.). He overlooked, according to the author, a reduction of religion caused by such a consensus.


Wolfgang Wiinsch’s doctoral thesis about the theology of Hans Küng is written in a logical and interesting way. It is clearly structured and has a very extensive bibliography, including 56 works by Küng, his other publications, source texts of various religions and several hundred other books and articles, dealing with the topic. The book is a systematic “analysis of a contemporary theological provocation” in the words of Prof. Dr. loan Emil Jurcan, supervisor of the dissertation. It is not intended as a handbook of Hans Küng’s theology. The purpose of the book is not to affirm or deny his contribution and his merits in the search for ways of interreligious dialogue or revitalization of the Church. Even if the author is partly quite critical and argues with the ideas and proposals of the Swiss theologian, he always gives corresponding theological arguments supporting his own point of view. Therefore, Wünsch allows readers to make their own in-depth reflection and take a critical look at the thought of the famous theologian, whose ideas until now have polarized theological discourse.

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